Am 02.03.2007 traf sich ein Teil der Mitglieder des Ortsverbands Lima 11 sowie einige Gäste in Langenberg zur Besichtigung des dortigen Senders.
Durch die engagierte Vorbereitung sowie den guten Informationsaustausch des OM's Manfred (DO2VC), war die Vorfreude auf die mit dem Hobby Amateurfunk verwandte Technik schon Wochen vorher sehr groß.
Am Tor wurden wir von Herrn Runge, einem ebenfalls lizensierten OM und hochqualifizierten Techniker der Sendeanlage Langenberg, in Empfang genommen.
Noch wussten wir nicht, dass uns eine mehr als zweistündige äußerst ausführliche und interessante Führung bevorstand.
Die beiden Sendemasten sind in Velbert und darüber hinaus weithin sichtbar.
In Langenberg befindet sich die wichtigste Sendeanlage Nordrhein-Westfalens. Der Hauptmast auf dem Hordtberg ist 301 Meter hoch und erreicht damit fast die Höhe des Eiffelturms in Paris. Der zweite Mast auf dem Rommel ist mit rund 170 Metern deutlich niedriger. An der Spitze des Hordt-Mastes befindet sich die Antenne für die Ausstrahlung des analogen Fernsehens mit dem ARD-Programm auf Kanal 9, darunter die Sendeantennen für die UKW-Programme, DAB und DVB-T (digitaler Rundfunk und digitales Fernsehen).
Die Antenne für die Mittelwellenabstrahlung befindet sich im unteren Teil des großen Sendemastes.
Die so genannte Reusenantenne besteht aus Drahtseilen, die an Isolatoren rund um den Mast aufgehängt sind. Bis Ende 1993 war der Mittelwellensender Langenberg auf der Frequenz 1593 kHz einer der markantesten in Europa überhaupt. Seitdem kann man das Rundfunkprogramm von WDR2 über die Frequenz 720 kHz in Nordrhein-Westfalen und nachts noch in weiten Teilen Deutschlands hören. Bekannt ist diese Frequenz vor allem in Zeiten mit hohem Verkehrsaufkommen, wenn darüber laufend sämtliche bekannten Staumeldungen aus NRW verbreitet werden - auch die kürzeren Staus.
Auf dem Betriebsgelände steht eine gewaltige Satellitenanlage mit einem Durchmesser von etwa neun Metern.
Mit ihrer Hilfe werden die analogen Fernsehprogramme des WDR und von Phoenix zu den Astra-Satelliten gesendet und können dann in weiten Teilen Europas empfangen werden. Wegen der enormen Größe der Antenne kann der Satellit nur genau getroffen werden, indem die Anlage mit einem Motor automatisch etwa alle 20 Minuten nachgeführt wird.
Im unteren Bild sind zwei weitere Antennen (Schüsseln) zu erkennen, sie übertragen digitale Fernseh- und Hörfunksignale zu den Astra-Satelliten und benötigen wegen anderer Systemeigenschaften nur einen Durchmesser von über 3,50 Metern.
Nach der für Herrn Runge äußerst frostigen ersten Außenführung kamen wir nun in die von der Sendeleistung gewärmten Innenräume des Senders. Am Eingang wurden uns einige antike Bauteile sowie ein Antennenkabel, das nicht mehr den Dimensionen der uns bekannten Größen entsprach.
Auf einer Schalttafel wird die Stromversorgung für den Sender Langenberg dargestellt. Der ankommende Strom wird auf die benötigten 400 Volt heruntergewandelt. Bei kurzzeitigem Ausfall der Versorgung von außen übernimmt automatisch die Batterie betriebene, unterbrechungsfreie Notstromversorgung.
Der Mittelwellensender Langenberg, den man auf der Frequenz 720 kHz hören kann.
Ausgestrahlt wird das Programm von WDR 2. Mit 100 Verstärkern wird das Signal für die Verbreitung über die Antenne aufbereitet. Dabei ist der Schrank mit den Sendeanlagen so ausgelegt, dass alles doppelt vorhanden ist.
Im linken Teil befindet sich der Sender mit 100 Verstärkern, im rechten Teil noch einmal die gleichen Apparaturen - allerdings mit nur 50 Verstärken und damit auch mit geringerer Sendeleistung im Bedarfsfall.
Einige Museumsstücke befinden sich auch noch im Gebäude: Diese alten Röhren und die dazugehörige Technik erscheinen noch einsatzbereit.
Eine Röhre hielt meist 10.000 bis 15.000 Stunden, in Ausnahmefällen auch 30.000 Stunden.
Die Röhrentechnik ist weitgehend durch Transistoren abgelöst worden.
Hier werden Schränke, die die Technik für den Sendebetreib des analogen Fernsehprogramms auf Kanal 9 für das ARD-Programm gezeigt.
Allerdings sind die Tage des analogen Fernsehens gezählt, es soll demnächst eingestellt werden.
In der Leitstelle werden die von Langenberg ausgestrahlten Fernseh- und Rundfunkprogramme im Schichtdienst rund um die Uhr überwacht.
Bei technischen Ausfällen, die auch den Zuschauer/Zuhörer betreffen, wird der Diensthabende mit Warnhinweisen auf den Monitoren und über Lautsprecher gewarnt.
In diesem Schrank befindet sich die Sendetechnik für das 4. Radioprogramm, das über den Sender Langenberg auf der Frequenz 101,3 MHz empfangen werden kann.
Für jeden einzelnen analog empfangbaren Rundfunksender ist ein solcher Schrank vorhanden.
Der Blick in die Betriebshalle lässt erahnen, wie viel Technik benötigt wird, um den Sendebetrieb für die zahlreichen Rundfunk- und Fernsehprogramme sicherzustellen.
Links im Bild befinden sich zahlreiche Absicherungen, um bei Ausfall z.B. einer Leitung oder eines Sendestudios den Sendebetrieb unterbrechungsfrei aufrechterhalten zu können. Alles ist doppelt abgesichert und im äußersten Notfall könnte der Techniker vor Ort sogar eine CD einlegen. Rechts im Bild die Schränke mit der Technik für das digitale Fernsehen DVB-T, über das von Langenberg 24 Sender ausgestrahlt werden.
Mit den vielen Rohren über den Schränken werden die einzelnen Leitungen zusammengeführt und dann mit dicken Koaxkabeln zu den beiden Sendemasten geführt.
Zur Sicherheit sind auch diese Koaxkabel in doppelter Ausführung vorhanden.
Im Multiplexzentrum (hinten rechts oben im Bild) werden die Signale für den digitalen Rundfunk und das digitale Fernsehen zusammengeführt.
Die Signale von je vier Sendern werden dabei zusammengefasst und zu den Sendenanlagen weitergeleitet.
David und Goliath sind von der Leistung her fast gleich groß.
Fällt die Stromversorgung für den Betrieb des Senders Langenberg für längere Zeit aus und kann nicht mehr durch die batteriebetriebene Notversorgung gewährleistet werden, dann steht dieser Dieselmotor zur Verfügung.
Damit könnte im Notfall auch über Tage und Wochen der Sendebetrieb sichergestellt werden.
Bei einem Stromausfall springt er automatisch an und kann mit einer Leistung von 911 PS nach ca. 6 Sekunden die Stromversorgung für die UKW-Sender, die Fernsehsender und die Beleuchtung der Masten übernehmen.
Für die Versorgung der Mittelwelle reicht der Dieselmotor von 1995 nicht aus.
Dafür wird dieser alte Dieselmotor aus dem Jahre 1943 per Hand gestartet. Bis der Motor warmgelaufen ist, fällt der Mittelwellensender für kurze Zeit aus.
In den vergangenen Jahren wurden beide Notdiesel immer wieder für ein bis zwei Stunden benötigt, wenn die Stromversorgung durch Fehler im näheren oder weiteren Stromnetz gestört war.
Das große Schwungrad des alten Dieselgenerators wiegt 15 Tonnen.
Der Motor stammt ursprünglich aus Hamburg, wo er in den letzten beiden Kriegsjahren auf dem Heiligengeistfeld die Flagbeleuchtung versorgte. Das Aggregat verfügt über eine Leistung von 800 PS.
An der alten Dieselmaschine ist noch alles originalgetreu erhalten.
Die Maschine wird per Hand mit Pressluft gestartet und macht im Betrieb einen gewaltigen Lärm.
An den Sendeanlagen in Langenberg sowie an den zahlreichen Außenstellen mit weiteren Sendemasten, die auch abgelegene Täler versorgen, muss ständig gearbeitet werden.
Neben den Mitarbeitern im Schichtdienst sind weitere Spezialisten mit Reparaturen und Wartungsarbeiten beschäftigt.
Gelegentlich müssen auch die unter enormer Spannung stehenden Halterungen der Stahlseile beider Masten ausgetauscht werden. Bei diesen gefährlichen Arbeiten riss am 2. September 1996 ein Hilfsseil und der 160 Meter hohe kleinere Sendemast stürzte um. Es entstanden Schäden in Millionenhöhe.
Reste eines 1990 abgebauten Sendemastes kann man noch heute auf dem Betriebsgelände besichtigen.
Die Sendeanlagen in Langenberg blicken auf eine bewegende Geschichte zurück.
Nach dem Probebetrieb am 15. Dezember 1926 startete der Sendebetrieb am 15. Januar 1927 mit zwei 100 Meter hohen Masten, die im Jahre 1934 durch einen aus Holz erbauten, 160 Meter hohen Turm ersetzt wurden. Dieser blieb nicht lange stehen, er wurde am 10. Oktober 1935 durch einen Tornado völlig zerstört.
Ende April 1945 wurden die Sendeanlagen vor den heranrückenden Aliierten gesprengt.
Danach wurden drei neue Masten aufgestellt, von denen 1949 erneut zwei einem Sturm zum Opfer fielen.
Die beiden heute stehenden Masten sind noch recht neu, der große wurde 1988-1990 errichtet, der zweite wurde nach dem Unfall von 1996 im Juli 2000 fertig gestellt.
Beim geselligen Essen in der angrenzenden Gaststätte konnten wir den schönen Nachmittag am knisternden Kamin noch einmal Revue passieren lassen.
Auf der Rückfahrt wurden die OM's dann in ihren kleinen mobilen Sendeanlagen selbst auf 145.500 MHz aktiv.